Filmkritik zum neuen Kinofilm MEINE WUNDERBAR SELTSAME WOCHE MIT TESS

EMMYGewinner Steven Wouterlood („Anything Goes“) erzählt in seinem Kinodebüt MEINE WUNDERBAR SELTSAME WOCHE MIT TESS, von der außergewöhnlichen Urlaubs-Freundschaft zwischen dem träumerischen Sam und der quirligen, selbstbewussten Tess, die gemeinsam die Welt der Erwachsenen auf den Kopf stellen. Kinostart ist der 3. September 2020!

MEINE WUNDERBAR SELTSAME WOCHE MIT TESS ist absolut sehenswert und zählt für mich zu den wundervollen Ausnahmen anspruchsvoller Kinderunterhaltung, die richtig Spaß machen und dabei ganz auf den sonst so oft verwendeten Klamauk verzichten. Darüber möchte ich euch gerne mehr in unserer Filmkritik berichten.

MEINE WUNDERBAR SELTSAME WOCHE MIT TESS

Der Film beruht auf dem gleichnamigen und erfolgreichen Kinderbuch von Anna Woltz, das hierzulande im Carlsen Verlag erschienen ist. Entstanden ist ein Film für die ganze Familie, der den Sommer auf die große Leinwand holt.

Inhalt

Sam verbringt mit seiner Familie den ersten Urlaubstag auf der niederländischen Insel Terschelling und direkt bricht sich sein älterer Bruder das Bein. Doof für ihn, aber gut für Sam. Warum? Weil es dazu führt, dass Sam der eigensinnigen Tess begegnet, die einen genialen Plan hat, um endlich ihren Vater kennenzulernen, der noch nicht weiß dass er eine Tochter hat. Für ihren Plan hat Tess nur eine Woche Zeit, in der sie dringend Sams Hilfe benötigt. Der ist aber gerade mit sich und ganz anderen Dingen beschäftigt. Doch durch ihr gemeinsam anstehendes Abenteuer entdecken beide, wie viel Familie und Freundschaft wirklich bedeuten.

Unsere Meinung

Der Film „Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess“ ist eine angenehm unaufgeregt erzählte und vor allem von den beiden Jungdarstellern sehr gut gespielte Coming-of-Age-Geschichte mit emotionalem Tiefgang. Nicht so sehr, wie es vielleicht möglich gewesen wäre, aber allemal ausreichend, um uns zum Nachdenken anzuregen. Außerdem soll der Film auch Spaß machen.

Der etwas nachdenklich wirkende Sam (10) ist mit seinen Eltern sowie seinem älteren Bruder im Urlaub auf der Insel Terschelling. Eigentlich sollte er die Sonne, den Strand und die Ferien genießen. Doch Sam macht sich über viele Dinge seine Gedanken. Zur Zeit beschäftigt ihn das Thema der jüngste seiner Familie zu sein. Und dass er aus diesem Grund wohl alleine übrig bleibt, da alle anderen vor ihm sterben werden. Also bereitet er sich besser schon einmal darauf vor – mit einem „Alleinsein-Trainig“. Doch da hat er noch nicht mit Tess gerechnet.

Als sein Bruder am Strand in Sams extra tief gebuddeltes Loch stürzt, verknackst sich dieser seinen Knöchel und sie müssen zum Arzt. Draußen wartend, lernt er die recht lebhafte Tess kennen. Die hat sich für diesen Sommer etwas ganz besonderes vorgenommen. Tess möchte unbedingt ihren Vater kennenlernen. Dieser weiß aber noch gar nicht, das er eine Tochter hat. Ihr Plan: Unter dem Vorwand eines Gewinnspiels, hat sie ihn und seine Freundin Elise in ihr Ferienhaus eingeladen und lauter verrückte Sachen für ihn und sich organisiert. So möchte sie herausfinden, ob sie ihn als Vater überhaupt möchte und falls ja, den richtigen Moment abpassen, um ihm die Neuigkeit zu berichten. Dazu hat Tess genau eine Woche Zeit. Da kommt Sam gerade richtig!

Sam und Tess sind sehr selbstbewusste Kinder, die nach außen sehr unterschiedlich auftreten. Während Sam ruhig und nachdenklich wirkt, ist Tess eher laut und impulsiv.  Die beiden Charaktere werden ganz toll von Sonny Coops van Utteren und Josephine Arendsen gespielt. Deren Sorgen und kindlichen Fantasien, werden dabei sehr ernst genommen, so dass sich unser Kids damit gut identifizieren können. Vor allem aber geht es um Gefühle, wie sie uns alle beschäftigen. Die Angst vor dem Alleinsein oder dem Tod. Um Freundschaft und der ersten Liebe, die Liebe zwischen Kindern und Eltern und die unter Erwachsenen. Um das Verhältnis zwischen Geschwistern, Eltern und Kindern und zwischen den Generationen. Auch  gängige Rollenmuster von Jungen und Mädchen werden hinterfragt. All das schaffen der Regisseur durch sein Drehbuch und die Darsteller mit ihrem Schauspiel sehr gut rüberzubringen. Überhaupt trifft man im Film auf liebenswerte Figuren, die alle ihren Teil zum Gelingen der Geschichte beitragen.

Trotzdem kommt auch der Humor nicht zu kurz. Dabei hat man ganz bewusst auf Klamauk verzichtet. Was mir an Kinderfilmen oft nicht gefällt, sind die sich stets wiederholenden Themen und der viel zu häufig verwendete Slapstick- und Fäkal-Humor. Das hat dieser Film überhaupt nicht nötig, um gut zu unterhalten und Spaß zu machen. Sein Witz ergibt sich aus Situationen heraus und nicht auf Kosten von Personen. Er bringt Jung und Alt zum Schmunzeln, Lachen und Nachdenken.

Dazu kommen sonnige Urlaubsstimmung, wunderschöne Kulissen auf der Insel und ein cooler rhythmischer Soundtrack.

Fazit

Ein wunderschöner lebensbejahender und unaufgeregter Film für die ganze Familie übers Erwachsenwerden. Er spricht verschiedene Altersgruppen an und sensibilisiert uns vielleicht wieder ein bisschen dafür, wie unsere Kinder und Jugendlichen auf existenzielle Probleme blicken. Seine positive Botschaft ist eindeutig – nämlich wie wichtig es ist im Hier und Jetzt zu leben, die schönen Momente mit seinen Liebsten zu genießen und in sich aufzunehmen. Sich Erinnerungen zu schaffen. Denn sie sind es, die uns niemals ganz allein sein lassen werden.

#makingmemories

 

Infos

Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess

Originaltitel: Mijn bijzonder rare week met Tess
Genre: Familienfilm
Herstellungsland: Niederlande, Deutschland
Herstellungsjahr: 2019
FSK Hauptfilm: Ab 0 Jahren
FSK Trailer: Ab 0 Jahren
FBW: besonders wertvoll
JUGEND FILMJURY der FBW: 4,5 von 5 Sternen und Daumen hoc

Länge: 84 Minuten:
Bildformat: Cinemascope
Tonformat: 5.1. Digital
Sprachfassung(en): Deutsch, OmdU

Bildrechte: (c) BIND und OSTLICHT FILMPRODUKTION

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